GROSSE TIEFENANALYSE
Arbeitstitel:
„DER KRIEG BEGANN NICHT 2022 – WIE AUS EINEM SICHERHEITSKONFLIKT EIN KRIEG WURDE“
Form: Tiefenanalyse
Redaktionelles Ziel
Nicht:
russische Propaganda übernehmen.
Nicht:
NATO-Kommunikation als objektive Wahrheit übernehmen.
Sondern:
Chronologie und belegbare Positionen nebeneinanderstellen.
Historische Zeitleiste
2007
Putins Münchner Rede als wichtiger öffentlicher Wendepunkt der russischen Kritik an der europäischen Sicherheitsordnung und NATO-Erweiterung.
2008
NATO-Gipfel Bukarest.
Die NATO erklärte offiziell:
Ukraine und Georgien „will become members of NATO“.
2014
Krim, Donbass, Krieg im Osten der Ukraine.
Beginn einer neuen militärischen Eskalationsphase.
2014/2015
Minsk-Prozesse.
2019
Normandie-Format mit Ukraine, Rußland, Deutschland und Frankreich.
Ende 2021 / Januar 2022
Rußland verlangt Sicherheitsgarantien.
Dazu gehören sowohl:
Begrenzungen bei Raketen und militärischer Infrastruktur
als auch ein Ende weiterer NATO-Erweiterung.
NATO und Rußland verhandeln am 12. Januar 2022.
Die NATO erklärte sich zu weiteren Gesprächen über:
Raketen,
Rüstungskontrolle,
Transparenz,
Übungen
und Risikoreduzierung bereit.
Bei der freien Bündniswahl anderer Staaten sah sie dagegen keine Verhandlungsmöglichkeit.
Ein besonders wichtiger Widerspruch der europäischen Sicherheitsordnung
Die OSZE-Charta enthält gleichzeitig zwei Grundsätze:
Jeder Staat darf seine Sicherheitsarrangements und Bündnisse grundsätzlich selbst wählen.
Gleichzeitig sollen Staaten ihre eigene Sicherheit nicht auf Kosten der Sicherheit anderer Staaten stärken.
Genau in dieser Spannung liegt ein wesentlicher Teil des sicherheitspolitischen Konflikts:
Die Ukraine beansprucht Selbstbestimmung.
Rußland beansprucht Berücksichtigung eigener Sicherheitsinteressen.
Die NATO beansprucht eine offene Beitrittspolitik.
Wichtige journalistische Frage
Vor 2022 existierten verschiedene Diplomatiekanäle:
NATO–Rußland,
NATO–Ukraine,
USA–Rußland,
Minsk,
Normandie,
OSZE.
Was jedoch in der entscheidenden Vorkriegsphase nicht als zentrales gemeinsames Sicherheitsformat erkennbar ist, ist ein dauerhafter Dreiertisch NATO–Ukraine–Rußland, an dem alle drei Seiten gemeinsam NATO-Perspektive, Raketen, militärische Infrastruktur und Sicherheitsgarantien verhandeln.
Daraus ergibt sich eine legitime Frage:
„Wurde zu viel übereinander und zu wenig miteinander verhandelt?“
Nicht behaupten:
Ein solches Format hätte den Krieg garantiert verhindert.
Das läßt sich nicht wissen.
HISTORISCHE TIEFENSCHICHT
Eine zweite Analyse kann weiter zurückgehen:
Kyjiwer Rus,
Nowgorod,
nordöstliche Rus-Fürstentümer,
Mongolenzeit,
Zerstörung Kyjiws 1240,
Aufstieg Wladimirs und Moskaus,
Verlagerung kirchlicher und politischer Macht,
konkurrierende Ansprüche auf das Erbe der Rus,
Zarenreich,
ukrainische Staatsprojekte,
Sowjetunion,
Unabhängigkeit 1991.
Wichtig:
Nicht behaupten:
„Russen und Ukrainer hassen sich seit tausend Jahren.“
Das wäre historische Vereinfachung.
Stattdessen:
„Der heutige Konflikt besitzt eine jahrhundertealte historische Tiefenschicht aus konkurrierenden Machtzentren, Herrschaftserfahrungen und Erzählungen darüber, wer das Erbe der alten Rus repräsentiert.“
